Q&A

Grundverständnis von XDC

Was ist XDC eigentlich?

„XDC“ (X-Degree Compatibility) beschreibt den gesamten Ansatz von right°, der aus drei Komponenten besteht:

  1. XDC-Modell – das wissenschaftlich fundierte Klimawirkungsmodell. Es berechnet die Temperaturkompatibilität einer ökonomischen Einheit (Unternehmen, Portfolio, Staat etc.) und drückt das Ergebnis direkt in °C aus.
  2. XDC-Softwareprodukte – z. B. der XDC Climate Explorer oder die XDC Public API, die das Modell anwenderfreundlich verfügbar machen und Analysen (z.B. Baseline XDC, Szenario XDC oder XDC Track Record) direkt visualisieren.
  3. XDC-Metriken – die °C-Zahl (z. B. „Ihr Unternehmen ist ein 2,7°C-Unternehmen“) und abgeleitete Kennzahlen wie Zielpfade oder Emissionsbudgets. Diese dienen als Kommunikationsinstrument und können in Jahres- oder Nachhaltigkeitsberichte integriert werden.

Mit XDC haben Unternehmen eine greifbare Temperaturzahl, die zeigt, wie stark sich die Erde bis 2100 erwärmen würde, wenn die Weltwirtschaft so wirtschaften würde wie die betrachtete Einheit. Damit verbindet XDC wissenschaftliche Präzision (durch das Modell) mit praktischer Nutzbarkeit (durch die Software) und intuitiver Kommunikation (durch die Metrik).

Worin unterscheidet sich XDC von einem Science Based Target (SBT)?

Die Vorgaben der SBTi sind der etablierte Rahmen, um Klimaziele zu setzen und validieren zu lassen. Der Ansatz funktioniert top-down, also entlang zentral vorgegebener, sektoraler Reduktionspfade.

Die XDC ergänzt das, indem sie den tatsächlichen Kurs eines Unternehmens bewertet – bottom-up und jährlich dynamisch: XDC berechnet die ökonomische Emissionsintensität (EEI) eines Unternehmens (tCO₂e pro Mio. € GVA),vergleicht sie mit sektoralen Benchmarks und leitet daraus die Klimaperformance ab; diese wird anschließend auf die Welt hochskaliert und im FaIR-Modell in eine °C-Zahl übersetzt. Anstatt nur ein Commitment zu prüfen, zeigt XDC also laufend, ob ein Unternehmen real auf einem Paris-kompatiblen Pfad liegt. Dadurch lassen sich nicht nur Ziele setzen, sondern auch die Umsetzbarkeit, die Dynamik und der Fortschritt regelmäßig überprüfen – mit der selben Strenge wie bei der SBTi, aber mit mehr Flexibilität.

Details liefert das Whitepaper „MOVING ON – XDC im Vergleich zu Science Based Targets“, das über die XDC-Academy zugänglich ist und vertiefende Lerninhalte für Berater:innen bereithält.

Warum wird die Bruttowertschöpfung (EBITDA + Personalkosten) als Einheit verwendet?

Die XDC setzt Emissionen ins Verhältnis zur Bruttowertschöpfung (GVA = EBITDA + Personalkosten), weil sie das Pendant zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist, also die ökonomische Leistung eines Unternehmens beschreibt.

Dieses Maß erlaubt es, die ökonomische Emissionsintensität (EEI) zu berechnen: Wieviele Emissionen entstehen pro Einheit Wertschöpfung?

Die EEI ist strategisch hochsinnig: Die EU verfolgt mit dem Green Deal die Vision einer Wirtschaft, die prosperiert, aber gleichzeitig ihre Emissionen strikt innerhalb des 1,5°C-Budgets hält. Damit entsteht ein realistisches Bild einer Zukunft, in der Unternehmen wachsen und innovativ sind, aber nur so viele Emissionen verursachen, wie wissenschaftlich zulässig ist. Unternehmen, die Wertschöpfung von Emissionen entkoppeln, zeigen, dass wirtschaftliches Wachstum und Dekarbonisierung keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig beflügeln können.

Das Zielbild einer erfolgreichen Wirtschaft, die durch Innovation gelernt hat nur so wenige Emissionen zu verursachen, wie die Klimawissenschaft definiert hat, fühlt sich für viele Stakeholder intuitiv richtig an.

Wie vermeidet das XDC-Modell Doppelzählungen, wenn direkte (Scope 1) und indirekte Emissionen (Scope 2 und 3) einbezogen werden?

Ein grundsätzliches Problem bei der Berücksichtigung von Scope 1, 2 und 3 Emissionen ist die Gefahr der Doppelzählung: die selben Emissionen tauchen an verschiedenen Stellen in der Wertschöpfungskette mehrfach auf, z. B. als Scope 1 beim Produzenten und gleichzeitig als Scope 3 beim Abnehmer.

Das XDC-Modell begegnet diesem Problem mit einer 50%-Regel: Scope 1 wird vollständig einbezogen, da diese Emissionen direkt durch das Unternehmen verursacht werden. Scope 2 und 3 werden jeweils mit 50% berücksichtigt, um Überschneidungen zu glätten und Mehrfachzählungen zu vermeiden.

Die Praxisergebnisse bestätigen, dass dieser Ansatz tragfähig ist: Die meisten Unternehmen liegen mit ihrer XDC zwischen 2,5°C und 3,5°C – also genau auf dem Pfad, auf dem auch die Weltwirtschaft insgesamt aktuell verortet wird. Dieses Ergebnis zeigt, dass die 50%-Regel keine methodische Verzerrung erzeugt, sondern einen realistischen und robusten Umgang mit dem Doppelzählungsproblem bietet.

Welche Klimaszenarien liegen der XDC zugrunde?

Die XDC basiert auf wissenschaftlich anerkannten, international verwendeten Klimaszenarien. Sie bilden die Grundlage, um die ökonomische Emissionsintensität eines Unternehmens in eine globale Temperaturwirkung zu übersetzen:

  • Baseline-Szenario: Shared Socioeconomic Pathway 2 (SSP2 –„Middle of the Road“). Es beschreibt eine Welt ohne zusätzliche Klimapolitik und entspricht damit einem konservativen „Business as usual“-Pfad.
  • 1,5°C-Szenarien:
    • IEA Net Zero Emissions by 2050 (IEA NZE)
    • One Earth Climate Model (OECM)
    • NGFS-Szenarien (Network for Greening the Financial System).

Im XDC Climate Explorer steht aktuell ausschließlich das IEA NZE-Szenario zur Auswahl. Wichtig zu wissen ist, dass dieses Szenario von einem umfangreichen Einsatz von negativen Emissionstechnologien (z. B. Bioenergy with CCS, Direct Air Capture) ausgeht, die ab Mitte des Jahrhunderts notwendig werden, um Restemissionen auszugleichen und die globale Temperatur wieder auf den 1,5°C-Pfad zurückzuführen.