Q&A

Grundverständnis von XDC

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Was ist XDC eigentlich?

XDC“ (X-Degree Compatibility) beschreibt den gesamten Ansatz von right°, der aus drei Komponenten besteht:

  1. XDC-Modell – das wissenschaftlich fundierte Klimawirkungsmodell. Es berechnet die Temperaturkompatibilität einer ökonomischen Einheit (Unternehmen, Portfolio, Staat etc.) und drückt das Ergebnis direkt in °C aus.
  2. XDC-Softwareprodukte – z. B. der XDC Climate Explorer oder die XDC Public API, die das Modell anwenderfreundlich verfügbar machen und Analysen (z.B. Baseline XDC, Szenario XDC oder XDC Track Record) direkt visualisieren.
  3. XDC-Metriken – die °C-Zahl (z. B. „Ihr Unternehmen ist ein 2,7°C-Unternehmen“) und abgeleitete Kennzahlen wie Zielpfade oder Emissionsbudgets. Diese dienen als Kommunikationsinstrument und können in Jahres- oder Nachhaltigkeitsberichte integriert werden.

Mit XDC haben Unternehmen eine greifbare Temperaturzahl, die zeigt, wie stark sich die Erde bis 2100 erwärmen würde, wenn die Weltwirtschaft so wirtschaften würde wie die betrachtete Einheit. Damit verbindet XDC wissenschaftliche Präzision (durch das Modell) mit praktischer Nutzbarkeit (durch die Software) und intuitiver Kommunikation (durch die Metrik).

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Worin unterscheidet sich XDC von einem Science Based Target (SBT)?

Die Vorgaben der SBTi sind der etablierte Rahmen, um Klimaziele zu setzen und validieren zu lassen. Der Ansatz funktioniert top-down, also entlang zentral vorgegebener, sektoraler Reduktionspfade.

Die XDC ergänzt das, indem sie den tatsächlichen Kurs eines Unternehmens bewertet – bottom-up und jährlich dynamisch: XDC berechnet die ökonomische Emissionsintensität (EEI) eines Unternehmens (tCO₂e pro Mio. € GVA),vergleicht sie mit sektoralen Benchmarks und leitet daraus die Klimaperformance ab; diese wird anschließend auf die Welt hochskaliert und im FaIR-Modell in eine °C-Zahl übersetzt. Anstatt nur ein Commitment zu prüfen, zeigt XDC also laufend, ob ein Unternehmen real auf einem Paris-kompatiblen Pfad liegt. Dadurch lassen sich nicht nur Ziele setzen, sondern auch die Umsetzbarkeit, die Dynamik und der Fortschritt regelmäßig überprüfen – mit der selben Strenge wie bei der SBTi, aber mit mehr Flexibilität.

Details liefert das Whitepaper „MOVING ON – XDC im Vergleich zu Science Based Targets“, das über die XDC-Academy zugänglich ist und vertiefende Lerninhalte für Berater:innen bereithält.

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Warum wird die Bruttowertschöpfung (EBITDA + Personalkosten) als Einheit verwendet?

Die XDC setzt Emissionen ins Verhältnis zur Bruttowertschöpfung (GVA = EBITDA + Personalkosten), weil sie das Pendant zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist, also die ökonomische Leistung eines Unternehmens beschreibt.

Dieses Maß erlaubt es, die ökonomische Emissionsintensität (EEI) zu berechnen: Wieviele Emissionen entstehen pro Einheit Wertschöpfung?

Die EEI ist strategisch hochsinnig: Die EU verfolgt mit dem Green Deal die Vision einer Wirtschaft, die prosperiert, aber gleichzeitig ihre Emissionen strikt innerhalb des 1,5°C-Budgets hält. Damit entsteht ein realistisches Bild einer Zukunft, in der Unternehmen wachsen und innovativ sind, aber nur so viele Emissionen verursachen, wie wissenschaftlich zulässig ist. Unternehmen, die Wertschöpfung von Emissionen entkoppeln, zeigen, dass wirtschaftliches Wachstum und Dekarbonisierung keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig beflügeln können.

Das Zielbild einer erfolgreichen Wirtschaft, die durch Innovation gelernt hat nur so wenige Emissionen zu verursachen, wie die Klimawissenschaft definiert hat, fühlt sich für viele Stakeholder intuitiv richtig an.

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Wie vermeidet das XDC-Modell Doppelzählungen, wenn direkte (Scope 1) und indirekte Emissionen (Scope 2 und 3) einbezogen werden?

Ein grundsätzliches Problem bei der Berücksichtigung von Scope 1, 2 und 3 Emissionen ist die Gefahr der Doppelzählung: die selben Emissionen tauchen an verschiedenen Stellen in der Wertschöpfungskette mehrfach auf, z. B. als Scope 1 beim Produzenten und gleichzeitig als Scope 3 beim Abnehmer.

Das XDC-Modell begegnet diesem Problem mit einer 50%-Regel: Scope 1 wird vollständig einbezogen, da diese Emissionen direkt durch das Unternehmen verursacht werden. Scope 2 und 3 werden jeweils mit 50% berücksichtigt, um Überschneidungen zu glätten und Mehrfachzählungen zu vermeiden.

Die Praxisergebnisse bestätigen, dass dieser Ansatz tragfähig ist: Die meisten Unternehmen liegen mit ihrer XDC zwischen 2,5°C und 3,5°C – also genau auf dem Pfad, auf dem auch die Weltwirtschaft insgesamt aktuell verortet wird. Dieses Ergebnis zeigt, dass die 50%-Regel keine methodische Verzerrung erzeugt, sondern einen realistischen und robusten Umgang mit dem Doppelzählungsproblem bietet.

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Welche Klimaszenarien liegen der XDC zugrunde?

Die XDC basiert auf wissenschaftlich anerkannten, international verwendeten Klimaszenarien. Sie bilden die Grundlage, um die ökonomische Emissionsintensität eines Unternehmens in eine globale Temperaturwirkung zu übersetzen:

  • Baseline-Szenario: Shared Socioeconomic Pathway 2 (SSP2 –„Middle of the Road“). Es beschreibt eine Welt ohne zusätzliche Klimapolitik und entspricht damit einem konservativen „Business as usual“-Pfad.
  • 1,5°C-Szenarien:
    • IEA Net Zero Emissions by 2050 (IEA NZE)
    • One Earth Climate Model (OECM)
    • NGFS-Szenarien (Network for Greening the Financial System).

Im XDC Climate Explorer steht aktuell ausschließlich das IEA NZE-Szenario zur Auswahl. Wichtig zu wissen ist, dass dieses Szenario von einem umfangreichen Einsatz von negativen Emissionstechnologien (z. B. Bioenergy with CCS, Direct Air Capture) ausgeht, die ab Mitte des Jahrhunderts notwendig werden, um Restemissionen auszugleichen und die globale Temperatur wieder auf den 1,5°C-Pfad zurückzuführen.

Datenanforderungen & Eingabe

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Welche Daten brauche ich für eine Baseline XDC?

Für die Berechnung einer Baseline XDC im XDC Climate Explorer werden folgende Angaben benötigt:

  • Emissionen: Scope 1, Scope 2 sowie alle Scope 3 Subscopes im gewählten Basisjahr. Falls nicht alle Daten verfügbar sind, unterstützt die Software durch eine sektorspezifische Hochrechnung, sodass die Analyse trotzdem vollständig durchgeführt werden kann.
  • Bruttowertschöpfung (BWS): Summe aus EBITDA und Personalkosten im Basisjahr.
  • Land des Hauptsitzes: relevant, da Benchmarks und Emissionsintensitäten regional variieren.
  • Basisjahr: legt den Startpunkt der Analyse fest und muss repräsentativ für die Geschäftstätigkeit des Unternehmens sein.
  • NACE-Sektor (nach NACE Revision 2.1.): offizielle EU-Klassifikation wirtschaftlicher Tätigkeiten, die Unternehmen eindeutig einer Branche zuordnet. So können die passenden sektoralen Benchmarks herangezogen werden.
  • Umsatz: wird nicht direkt in die Berechnung einbezogen, sondern dient im Hintergrund als statistischer Abgleich des Emissionsprofils mit dem Sektor. Damit lassen sich Ausreißer bei einzelnen Scopes erkennen, die dann nochmals überprüft werden können.

Alle Datenanforderungen sind im XDC Climate Explorer selbst transparent dargestellt. Dort wird auch Schritt für Schritt erklärt, wie die XDC berechnet wird und welcher Datenpunkt für welchen Berechnungsschritt benötigt wird.

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Wie gehe ich vor, wenn mein Kunde keine Scope-3-Daten berichtet?

Scope 3 macht bei vielen Unternehmen den größten Teil der Emissionen aus – oft fehlen hier aber detaillierte Daten. Der XDC Climate Explorer unterstützt in solchen Fällen mit sektorspezifischen Hochrechnungen:

  • Abhängig davon, welche Emissionsdaten vorliegen (z. B. nur Scope 1, nur ein Teil der Scope 3 Subscopes oder gar keine Emissionen), berechnet die Software automatisch die fehlenden Werte anhand der durchschnittlichen Emissionsverteilungen im jeweiligen NACE-Sektor.
  • Grundlage sind umfangreiche Datensätze unseres Datenpartners ICE (früher Urgentum), die auf realen Emissionsprofilen von Unternehmen beruhen.
  • Die Logik ist so gestaltet, dass sie konsistente Gesamtprofile erzeugt: Unternehmen mit relativ niedrigen Scope-1- und Scope-2-Emissionen erhalten eher höhere geschätzte Scope-3-Werte, und umgekehrt. So bleibt die Emissionsverteilung valide und sektorkonform, auch wenn nicht alle Daten vorliegen.
  • Diese Schätzungen ersetzen nicht die unternehmensspezifischen Daten, sie machen aber eine erste XDC-Berechnung möglich, bis der Kunde seine vollständige Treibhausgasbilanz erstellt hat.

Wichtig: Wenn sektorbasierte Schätzungen genutzt werden, sollte dies im Beratungsprozess transparent kommuniziert werden. Nur so können Kunden einschätzen, welche Ergebnisse bereits belastbar sind und wo noch Nachbesserung nötig ist.

Eine ausführliche Beschreibung der Schätzlogiken für unterschiedliche Datenlücken findet sich in einem Dokument, das auf der XDC Academy zur Verfügung steht.

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Wie genau müssen die Finanzdaten eingegeben werden?

Für die Berechnung der XDC braucht es die Bruttowertschöpfung (BWS) des Unternehmens. Im XDC Climate Explorer wird diese in ihre Bestandteile aufgesplittet erfasst:

  • EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen)
  • Personalkosten

Zusätzlich wird auch der Umsatz abgefragt, der allerdings nur als statistischer Abgleich dient (z. B. um Ausreißer im Emissionsprofil zu erkennen).

Alle Finanzdaten müssen in Euro (€) eingegeben werden. Der Explorer rechnet sie im Hintergrund automatisch um:

  • Kaufkraftparitäten (PPP): Datenbasis ist die IMF World Economic Outlook Database. Damit werden Unterschiede in den Preisniveaus zwischen Ländern ausgeglichen.
  • Deflatoren (GDP Deflators): ebenfalls aus der IMF WEO Database. Sie dienen dazu, nominale Werte inflationsbereinigt in reale Größen umzuwandeln.

Durch diese Anpassungen sind die Ergebnisse international und zeitlich vergleichbar, unabhängig davon, wo ein Unternehmen sitzt oder welches Basisjahr gewählt wurde.

Für die Beratungspraxis heißt das: Es genügt, die Werte aus dem geprüften Jahresabschluss oder ESG-Report zu übernehmen – die notwendigen Korrekturen für PPP und Inflation erfolgen vollautomatisch im XDC Climate Explorer.

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Woher bekomme ich die Daten für Emissionen und BWS?

Für die Eingabe im XDC Climate Explorer können Berater:innen auf verschiedene Datenquellen zurückgreifen – je nach Reifegrad und Transparenz des Kunden:

  • Direkt vom Unternehmen
    • Nachhaltigkeitsberichte (z. B. nach CSRD, GRI oder TCFD) – enthalten meist Emissionen (Scope 1–3).
    • Geprüfte Jahresabschlüsse oder Geschäftsberichte – liefern die Finanzdaten für EBITDA, Personalkosten und Umsatz.
    • Interne Treibhausgasbilanzen – häufig detaillierter als veröffentlichte ESG-Reports.
  • Externe Datenanbieter
    • Finanzdaten: FactSet, Bloomberg, Refinitiv etc.
    • Emissionsdaten: ICE (früher Urgentum), MSCI, CDP oder vergleichbare ESG-Datenbanken.
  • Unterstützung durch den XDC Climate Explorer
    • Wenn einzelne Scope-3-Subscopes oder ganze Emissionsangaben fehlen, ergänzt der Explorer automatisch sektorspezifische Hochrechnungen (ICE-Datenbasis).
    • Damit lassen sich auch mit lückenhaften Daten valide erste XDC-Ergebnisse erzielen.

In der Beratungspraxis reicht es meist, mit den Zahlen aus Geschäftsbericht und ESG-Report zu starten. Der Explorer macht transparent, ob Unternehmensdaten oder sektorale Schätzungen verwendet wurden.

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Welche Anforderungen gibt es an die Datenqualität?

Für belastbare XDC-Analysen, die z. B. in Reporting, Kommunikation oder zur Steuerung eingesetzt werden, gilt:

  • Finanzdaten (EBITDA, Personalkosten, Umsatz) sollten aus dem geprüften Jahresabschluss stammen – abgesichert durch den Wirtschaftsprüfer.
  • Emissionsdaten (Scope 1–3 inkl. Subscopes) müssen nach dem Greenhouse Gas Protocol Standard erhoben werden, um Konsistenz und Vergleichbarkeit sicherzustellen.

👉 Wir empfehlen ausdrücklich, mit ungeprüften Daten keine Belastbarkeit von Ergebnissen zu behaupten. Wenn Berater:innen dennoch mit vorläufigen oder geschätzten Werten arbeiten (z. B. für erste Workshops oder Proof-of-Concepts), sollte das Ergebnis immer klar als vorläufig gekennzeichnet werden.

Ein guter Weg, mit Unsicherheiten umzugehen, ist die Nutzung der Szenarioanalyse im XDC Climate Explorer: Dadurch wird sichtbar, wie stark sich mögliche Datenungenauigkeiten auf die XDC auswirken – und es bleibt transparent, welche Bandbreiten bestehen.

Zielsetzung & Transition Plans

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Wie setzt man im XDC Climate Explorer ein 1,5°C-Ziel?

Der XDC Climate Explorer ermöglicht es, ein 1,5°C-Ziel auf Basis der unternehmensspezifischen Daten zu definieren. Der Prozess läuft in drei Schritten:

  1. Baseline XDC: Zunächst wird die Klimawirkung des Unternehmens im Status Quo berechnet (auf Basis von Emissionen, Bruttowertschöpfung, Land, Sektor etc.).
  2. Berechnung des 1,5°C-Budgets: Ausgehend vom globalen 1,5°C-Emissionsbudget wird ein unternehmensspezifisches Budget abgeleitet. Dafür wird das globale Budget proportional zur Bruttowertschöpfung (BWS) auf die einzelnen Unternehmen verteilt und an die erwartete Entwicklung der BWS bis 2030 angepasst. So wird sichergestellt, dass jedes Unternehmen nur den Anteil des globalen Budgets beansprucht, der seiner ökonomischen Leistung entspricht.
  3. Zielpfad: Das so definierte Unternehmensbudget wird entlang der Vorgaben des IEA NZE 2050-Szenarios zeitlich verteilt. Dadurch entsteht ein konkreter Emissions- und Temperaturpfad, der zeigt, wie das Unternehmen Jahr für Jahr reduzieren muss, um mit 1,5°C kompatibel zubleiben.

Exkurs: Wenn ein Unternehmen in der Vergangenheit bereits stark dekarbonisiert hat, fällt der künftige Zielpfad im Vergleich weniger ambitioniert aus. Das liegt daran, dass sich das Budget an der aktuellen Wertschöpfung des Unternehmens orientiert – nicht an seiner historischen Emissionsintensität. Ein Unternehmen, das früh Emissionen reduziert hat, erhält also keinen „Nachteil“, sondern arbeitet künftig mit einem Zielpfad, der seine bereits erzielten Fortschritte widerspiegelt.

Das Ergebnis ist ein wissenschaftlich fundiertes, unternehmensspezifisches Klimaziel. Es verbindet Emissionen, ökonomische Leistung und Wachstumspläne in einer °C-basierten Trajektorie, die im Explorer visuell neben der Baseline XDC dargestellt wird.

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Worin unterscheiden sich Ziel und Plan – und wie bildet der XDC Climate Explorer das ab?

Ein Ziel beschreibt den angestrebten Zustand: Ein Unternehmen will sich mit dem globalen 1,5°C-Pfad in Einklang bringen. Im XDC Climate Explorer bedeutet das, dass aus dem globalen 1,5°C-Budget ein unternehmensspezifisches Budget abgeleitet wird, proportional zur Bruttowertschöpfung des Unternehmens und angepasst an seine Wachstumsprognosen. Dieses Budget wird entlang des IEA NZE 2050-Szenarios zeitlich verteilt. Daraus ergibt sich ein 1,5°C-Zielpfad, der zeigt, wie stark die Emissionen Jahr für Jahr sinken müssten.

Ein Plan dagegen beschreibt den Weg, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Im Modul „Transitionsplan“ des XDC Climate Explorers können Unternehmen ihre geplanten Maßnahmen eintragen– zum Beispiel den Umstieg auf erneuerbare Energien, Effizienzmaßnahmen oder Veränderungen in der Lieferkette. Auf dieser Basis berechnet die Software eine Szenario XDC, also die Klimawirkung, die das Unternehmen hätte, wenn alle geplanten Maßnahmen umgesetzt werden.

So entsteht eine bottom-up modellierte Perspektive, die zeigt, wie weit die Maßnahmen das Unternehmen tatsächlich in Richtung 1,5°C bringen. Zwei Kennzahlen sind dabei entscheidend: Erstens die °C-Zahl der Szenario XDC, die angibt, wie sich die geplanten Maßnahmen bis 2100 auf die Erderwärmung auswirken würden. Zweitens der Overshoot des 1,5°C-Budgets bis 2030, also ob das Unternehmen in den entscheidenden Jahren bis 2030 mehr Emissionen verbraucht, als ihm nach dem 1,5°C-Budget zusteht.

Der Unterschied ist damit klar: Das Ziel zeigt den normativen Pfad, während der Plan konkret macht, wie dieser Pfad erreicht werden soll – und ob die geplanten Schritte dafür ausreichen. XDC bringt beide Dimensionen zusammen, indem es sowohl den Zielpfad als auch den umgesetzten Plan in °C sichtbar macht und die Lücke dazwischen klar quantifiziert.

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Wie überprüft der XDC Climate Explorer, ob ein Unternehmen auf dem 1,5°C-Pfad bleibt?

Im XDC Climate Explorer können Unternehmen ihre Primärdaten bis zum letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr eingeben. Wenn das Basisjahr zum Beispiel 2019 ist, lassen sich also die Emissions- und Wertschöpfungsdaten bis einschließlich 2024 nachtragen. Auf dieser Grundlage passt der Explorer die XDC-Metriken dynamisch an.

Das Entscheidende: Der Zielpfad bleibt nicht statisch, sondern reagiert auf die tatsächliche Entwicklung.

  • Overshoot: Wenn ein Unternehmen in einem Jahr mehr Emissionen verursacht als der 1,5°C-Pfad erlaubt, wird das verbleibende Budget kleiner. Der künftige Zielpfad wird dadurch steiler, weil die notwendigen Reduktionen stärker ausfallen müssen, um die Überschreitung wieder auszugleichen.
  • Undershoot: Wenn ein Unternehmen dagegen weniger emittiert als vorgesehen, bleibt mehr vom Budget übrig. Der Zielpfad wird entsprechend flacher, weil das Unternehmen etwas mehr Spielraum hat, ohne den 1,5°C-Korridor zu verlassen.

Damit entsteht ein laufender Korrekturmechanismus: Budget und Zielpfad passen sich an die reale Performance an. Unternehmen erhalten so jedes Jahr ein aktuelles Bild ihrer Klimawirkung und wissen, ob sie Kurs halten oder nach steuern müssen.

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Wie kann XDC helfen, Transitionspläne in der Unternehmensstrategie zu verankern?

Damit Transitionspläne tatsächlich Teil der Unternehmensstrategie werden, müssen die zugrunde liegenden Metriken verständlich, überprüfbar und flexibel sein. Genau diese Voraussetzungen erfüllt XDC: Die °C-Metrik ist intuitiv, methodisch nachvollziehbar und lässt sich laufend mit neuen Daten anpassen.

Im Modul „Transitionsplan“ des XDC Climate Explorers können Unternehmen ihre Maßnahmen bottom-up modellieren und unmittelbar sehen, wie sich diese auf die Klimawirkung auswirken. So wird schnell klar, ob der geplante Maßnahmenmix genügt, um 1,5 °C zu erreichen, oder ob ein Overshoot des Budgets bis 2030 entsteht. Dieser Abgleich liefert die Grundlage für strategische Diskussionen im Top-Management: Wieweit kommen wir mit unseren Maßnahmen? Entspricht das dem Zukunftsbild, das wir von unserem Unternehmen haben? Und falls nicht – ist das ein Risiko?

XDC wird damit zum Enabler für die strategische Auseinandersetzung mit Klima: Es ermöglicht es dem Top-Management, Chancen und Risiken der Transition fundiert zu bewerten und Klimaentscheidungen in die Finanz- und Unternehmensplanung einzubetten. Besonders hilfreich für die erfolgreiche strategische Integration ist auch, dass sich im Explorer unterschiedliche Szenarien schnell berechnen lassen.

Gerade hier liegt auch das größte Beratungspotenzial: Den Dialog im Management vorzubereiten, die Diskussion zu moderieren und konkrete Follow-ups abzuleiten und umzusetzen. So wird XDC nicht nur zum Messinstrument, sondern zu einem Werkzeug, das Beratende aktiv nutzen können, um strategische Klimafragen in Unternehmen voranzubringen.

So trägt XDC dazu bei, dass sich das Management das Thema Klima strategisch erschließen kann und Transitionspläne nicht isolierte Nachhaltigkeitsübungen bleiben, sondern fest in der Unternehmensstrategie verankert werden.

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Wie flexibel sind mit dem XDC-Modell erstellte Transitionspläne gegenüber neuen Daten oder geänderten Rahmenbedingungen?

Transitionspläne, die mit dem XDC-Modell erstellt werden, sind von Grund auf dynamisch angelegt. Sie passen sich an, sobald sich die Eingabedaten oder Rahmenbedingungen ändern.

Wenn ein Unternehmen neue Emissions- oder Wertschöpfungsdaten berichtet, lassen sich diese im XDC Climate Explorer jederzeit nachtragen. Das Modell berechnet dann automatisch, wie sich die aktualisierten Daten auf den 1,5 °C-Zielpfad und die Szenario XDC auswirken. Dadurch wird klar, ob das Unternehmen weiterhin auf Kurs ist oder ob der Plan nachgeschärft werden muss.

Besonders wichtig: Auch die Maßnahmen, die den Transitionsplan bilden, können flexibel angepasst werden. Sie lassen sich zeitlich verschieben, ambitionierter oder weniger ambitioniert ausgestalten, ergänzen oder ganz entfernen. Jede Anpassung wird direkt in einer neuen Szenario XDC sichtbar, sodass die Wirkung der Änderungen sofort nachvollzogen werden kann.

Diese Flexibilität macht den Transitionsplan zu einem lebendigen Steuerungsinstrument: Unternehmen können nicht nur Daten aktualisieren, sondern auch ihre Klimastrategie aktiv weiterentwickeln und an neue Erkenntnisse, Märkte oder regulatorische Anforderungen (z. B. CSRD, ESRS) anpassen.

Reporting & CSRD

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Wie unterstützt XDC bei der CSRD-Berichterstattung?

Die CSRD verpflichtet Unternehmen nicht direkt dazu, ihre Klimawirkung in Grad Celsius auszuweisen. Gefordert ist vielmehr Transparenz darüber, wie das Geschäftsmodell auf den 1,5°C-Pfad ausgerichtet wird.

Das XDC-Modell arbeitet mit der ökonomischen Emissionsintensität (tCO₂e pro Mio. € Bruttowertschöpfung). Diese Kennzahl setzt Emissionen direkt in Relation zur Wertschöpfung des Unternehmens. Damit zeigt XDC, ob ein Geschäftsmodell heute und in Zukunft in der Lage ist, innerhalb der wissenschaftlich festgelegten 1,5°C-Klimagrenzen zu wirtschaften. Unternehmen können so nicht nur ihre Emissionen berichten, sondern nachvollziehbar machen, wie sie ihre wirtschaftliche Tätigkeit Paris-kompatibel ausrichten.

Im XDC Climate Explorer wird dieser Zusammenhang praktisch umgesetzt:

  • Ein 1,5°C-kompatibler Zielpfad wird aus den unternehmensspezifischen Daten abgeleitet und entlang des IEA NZE2050-Szenarios verteilt.
  • Über das Modul „Transitionsplan“ können konkrete Maßnahmen hinterlegt werden, deren Wirkung bottom-up modelliert wird. So entsteht Transparenz darüber, wie das Unternehmen sein Geschäftsmodell tatsächlich transformiert, anstatt nur Zielaussagen zutreffen.

Darüber hinaus adressiert XDC auch Querschnittsanforderungen aus ESRS 2 (Strategie, Risiken, Chancen, Governance), da die °C-Metrik hilft, Klimarisiken und -chancen quantitativ in die Unternehmensstrategie zu integrieren.

Das Dokument „ESRS E1 Coverage durch den XDC Climate Explorer“ ist auf der XDC Academy verfügbar und im XDC Climate Explorer selbst verlinkt. Es weist im Detail aus, welche Disclosure Requirements mit XDC direkt abgedeckt werden.

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Welche ESRS-Standards werden durch XDC abgedeckt?

Der XDC Climate Explorer adressiert insbesondere den Standard ESRS E1 „Climate Change“, aber auch angrenzende Querschnittsanforderungen aus ESRS 2.

Um die Unterschiede zwischen E1-1, E1-2 und E1-3 klar herauszustellen:

  • ESRS E1-1: Transition Plan for Climate Change
    Hier geht es um die Gesamtdarstellung des Übergangsplans – wie das Unternehmen sein Geschäftsmodell auf 1,5 °C ausrichtet.
    • XDC-Beitrag: Mit der °C-Metrik lässt sich die Paris-Kompatibilität intuitiv darstellen und im Stakeholder-Management kommunizieren. Der Climate Explorer zeigt den 1,5°C-Zielpfad, sodass das Gesamtbild nachvollziehbar wird.
  • ESRS E1-2: Climate Change Strategy
    Dieser Standard verlangt die Verankerung in Strategie und Geschäftsmodell: Wie sind Klimarisiken und -chancen in Wertschöpfungskette, Businessmodell und Planung integriert?
    • XDC-Beitrag: Die Arbeit mit der ökonomischen Emissionsintensität (tCO₂e/Mio. € BWS) macht sichtbar, ob die ökonomische Leistung des Unternehmens mit einem 1,5 °C-Pfad vereinbar ist. Damit können wirtschaftlich valide Pläne entwickelt und überprüft werden.
  • ESRS E1-3: Policies and Actions
    Hier müssen die konkreten Maßnahmen offengelegt werden, die den Übergang absichern (Investitionen, Technologien, Prozessänderungen).
    • XDC-Beitrag: Im Modul „Transitionsplan“ lassen sich Maßnahmen erfassen und in eine Szenario XDC übersetzen. So wird quantitativ sichtbar, wie die einzelnen Maßnahmen wirken und ob sie die Lücke zum Zielpfad schließen.

Dazu kommen weitere relevante Offenlegungspflichten:

  • E1-4 (Ziele): XDC leitet ein 1,5 °C-kompatibles Ziel ab und überprüft den Fortschritt.
  • E1-6 (GHG-Emissionen): Vollständige und transparente Emissionserfassung nach GHG-Protocol ist Grundvoraussetzung im Explorer.
  • ESRS 2 (Strategie & Governance): XDC unterstützt, indem die °C-Metrik Klimarisiken und Chancen quantifizierbar macht und eine Grundlage für Top-Management-Entscheidungen liefert.

Damit deckt XDC die Kernanforderungen des ESRS E1 umfassend ab – vom Gesamtplan (E1-1), über die strategische Verankerung (E1-2), bis zu den konkreten Maßnahmen(E1-3).

Das Dokument „ESRS E1 Coverage durch den XDC Climate Explorer“ ist auf der XDC Academy verfügbar und im Explorer selbst verlinkt. Es zeigt detailliert, welche Anforderungen durch die XDC-Metriken direkt adressiert werden.

Sicherheit & Verlässlichkeit des XDC Climate Explorers

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Wie wird die Datensicherheit im XDC Climate Explorer gewährleistet?

Der XDC Climate Explorer läuft als Managed Service auf OVHcloud in derRegion DE1 (Limburg bei Frankfurt am Main). Damit ist sichergestellt, dass alle Daten ausschließlich innerhalb der EU/EWR verarbeitet werden und der Dienst vollständig DSGVO-konform ist.

Zentrale Sicherheitsmaßnahmen:

  • Infrastruktur: Der Explorer nutzt den OVHcloud Managed Kubernetes Service sowie PostgreSQL-Datenbanken (Produkt- und User-DB), Object Storage (S3-kompatibel) und Block Storage. Alle Daten werden mit AES-256 im Ruhezustand verschlüsselt, die Übertragung erfolgt ausschließlich über TLS1.2+.
  • OVHcloud Security Management: OVH übernimmt die physische Sicherheit, die Verschlüsselung sowie das gesamte Lifecycle- und Patchmanagement. Die Verpflichtungen sind im OVH Security Framework dokumentiert (inkl. ISO27001, ISO 22301, GDPR-Compliance).
  • Backups: Automatisierte tägliche Datenbank-Backups mit Cross-Region-Replikation (DE1 → GRA1), Integritätsprüfungen (SHA-256) und vierteljährliche Restore-Tests. Backups und Snapshots werden nach 14 Tagen automatisch gelöscht.
  • Löschkonzept: Es existiert ein klar geregeltes Konzept zur Datenaufbewahrung und -löschung:
    • Inaktive Nutzerkonten werden 90 Tage nach Deaktivierung gelöscht.
    • Projektdaten werden 180 Tage nach Vertragsende entfernt (vorheriger Export möglich).
    • Logs werden nach 14 Tagen gelöscht.
    • DSGVO-Löschanfragen („Recht auf Vergessenwerden“) werden durch den Datenschutzbeauftragten geprüft und technisch per API Hard Delete umgesetzt; alle Schritte sind im Audit-Log nachvollziehbar.
  • Audit & Kontrolle: Vierteljährliche interne Audits (Löschanträge, Backup-Restores, Log-Retention) stellen sicher, dass die Vorgaben eingehalten werden.

Durch die Kombination aus OVHcloud Managed Security Services und dem eigenen Lösch- und Backupkonzept gewährleistet der XDC Climate Explorer höchste Datensicherheit und Nachvollziehbarkeit – sowohl für Unternehmensdaten als auch für personenbezogene Informationen.

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Wie prüfbar und verlässlich sind die Ergebnisse aus dem XDC Climate Explorer?

Die Ergebnisse des XDC Climate Explorers sind so angelegt, dass sie wissenschaftlich fundiert und zugleich prüfbar durch externe Dritte sind.

Wissenschaftliche Basis:
Das XDC-Modell besteht aus mehreren Komponenten, die jeweils auf open-source oder öffentlich verfügbaren Quellen beruhen: etwa dem FaIR-Klimamodell oder den IEA-Dekarbonisierungsszenarien. right° hat diese Bausteine in einer eigenen Modellarchitektur so zusammengeführt, dass daraus konsistent XDC-Metriken (z. B. °C-Zahl, Budget-Overshoot) berechnet werden können.

Die grundlegende Methodik ist peer-reviewed und wurde 2021 als Open-Source-Anwendung veröffentlicht. Seit 2019 ist sie durch das Projekt right. open der Wissenschaft frei zugänglich und inzwischen Teil zahlreicher Forschungsarbeiten. Auf Wunsch stellt right° zusätzliche Dokumentationen bereit, die ein noch höheres Level an Granularität offenlegen.

Prüfbarkeit & Nachvollziehbarkeit:

  • Jeder Berechnungsschritt ist im Methodenpapier „The XDC Model“ detailliert dokumentiert und offen einsehbar.
  • Im XDC Climate Explorer selbst ist sichtbar, welche Eingaben für welchen Berechnungsschritt genutzt werden. Damit können Wirtschaftsprüfer und Auditoren die Ergebnisse direkt nachvollziehen. Unternehmen können externe Personen – z. B. Wirtschaftsprüfer – direkt in eine Session einladen. Prüfer:innen sehen dann die Eingaben und können diese unmittelbar mit den angezeigten Ergebnissen abgleichen. So wird nachvollziehbar, dass die Daten exakt zu den ausgewiesenen XDC-Metriken führen.
  • Ergebnisse (z. B. °C-Zahlen, Zielpfade, Szenario XDC) lassen sich exportieren und in Prüfprozesse oder CSRD-Assurance integrieren.

Damit verbindet der XDC Climate Explorer wissenschaftliche Robustheit mit praktischer Prüfbarkeit: Unternehmen können Ergebnisse gegenüber Stakeholdern belegen, und Wirtschaftsprüfer:innen haben die Möglichkeit, diese direkt und unabhängig nachzuvollziehen.

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Woher stammen die Daten im XDC Climate Explorer – und wie gehen wir mit Plausibilitätsprüfungen und Schätzungen um?

Primärdaten (vom Nutzer einzupflegen)

  • Unternehmen geben ihre THG-Emissionen gemäß Greenhouse Gas Protocol (GHGP) Standard ein. Im XDC Climate Explorer gibt es dafür eine Checkbox, mit der die Einhaltung des GHGP-Standards explizit bestätigt wird.
  • Diese GHGP-Ausrichtung spiegelt auch ESRSE1 wider: Für die Emissionsberichterstattung sind die Grundsätze und Leitlinien des GHGP-Standards maßgeblich.

Daten für Sektor-Benchmarks

  • Die Sektor benchmarks (EEI-Referenzwerte je NACE) stammen aus Partnerdaten:
    • ICE (ehem. Urgentum) liefert Emissionsdaten (Scopes 1–3) für gelistete und private Unternehmen. Benchmarks werden nur gebildet, wenn pro Sektor eine robuste Datenbasis (i. d. R. ≥30 Unternehmen) vorliegt; wo dies nicht möglich ist, werden alle verfügbaren Unternehmen herangezogen.
    • FactSet Research Systems liefert ergänzend Unternehmensstammdaten und Finanzkennzahlen (z. B. Umsatz, BWS-Komponenten), die zur Sektorzuordnung, Plausibilisierung und Stichprobenbildung genutzt werden.
  • Diese Benchmarkdaten sind unabhängig von den Eingaben der Nutzer. Nutzer müssen nicht befürchten, dass ihre eigenen Daten oder XDC-Werte in Benchmarks oder Peer-Vergleiche einfließen. Alle Eingaben bleiben vertraulich und werden ausschließlich für die jeweilige Analyse im XDC Climate Explorer verwendet.

Plausibilitätsprüfungen in der Anwendung

  • Der XDC Climate Explorer markiert Ausreißer (<10. Perzentil und >90. Perzentil) unter den Emissionsdaten, damit Berater:innen und Unternehmen die Daten gezielt prüfen können, bevor Ergebnisse als belastbar kommuniziert werden.
  • Wenn Scope 3-Subscopes fehlen, bietet die Software sektorspezifische Hochrechnungen an, die auf stabilen Sektorprofilen (ICE-Datenbasis) beruhen. Wichtig: Diese Schätzungen sind nur eine Übergangslösung und werden im Explorer klar als solche gekennzeichnet. Sie müssen durch berichtete Daten nach dem GHGP-Standard ersetzt werden, sobald diese verfügbar sind.

Kommunikation der Belastbarkeit

  • Ergebnisse, die auf ungeprüften oder geschätzten Daten beruhen, sollten nicht als prüffest dargestellt werden. Empfohlen ist die Transparenzmachung von Unsicherheiten (z. B. durch Szenarioanalysen) sowie die zeitnahe Ergänzung durch Wirtschaftsprüfer-geprüfte Daten.